Die Geschichte des Frankfurter Bundes für Volksbildung
Zusammenstellung: Dr. Lothar Voigt
Literatur: Dr. Kai Gniffke: "Volksbildung in Frankfurt am Main 1890-1990", Frankfurt, 1990
1890
Der "Bund für Volksbildung“ wird zunächst als "Ausschuß für Volksvorlesungen" (AfV) gegründet. Die Gründer haben sich vereinigt, "... um die Abhaltung von allgemeinverständlichen und für jedermann frei zugänglichen Vorträge zu ermöglichen, welche die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung in geschlossenen Lehrgängen zu vermitteln versuchen.“ (Gründungsurkunde)
Motor der Gründung ist der Stadtrat für soziale Angelegenheiten Karl Flesch (1853-1915), selber Mitglied des Freien Deutschen Hochstifts. Mit dem Sozialdemokraten Ludwig Opificius, dem Werkmeister der Deutschen Gold- und Silberscheidanstalt (Degussa), und seinem Chef, Direktor Heinrich Rößler, gehören dem Bündnis sogar Arbeitgeber und Arbeitnehmer desselben Betriebs an.
1895
Der Ausschuß vermittelt Eintrittskarten für das städtische Theater. Für die einzelnen Aufführungen werden einleitende Vorträge angeboten. Ab dem Jahr darauf werden Volkskonzerte angeboten, die unter aktiver Mithilfe des Oberbürgermeisters Franz Adickes gestaltet werden.
1899
Auf Initiative des Ausschusses für Volksvorlesungen wird der "Rhein-Mainische Verband für Volksbildung“ (RhMV) gegründet. Er wird zum Träger des "Rhein-Mainischen Künstlertheaters“.
1906
Mit der Bestellung von Dr. Wilhelm Epstein (1860 – 1941) als hauptamtlichen Geschäftsführer wird der Weg zu einer Professionalisierung der Volksbildungsarbeit geleistet. Er lässt den AfV 1907 in das Vereinsregister eintragen.
1908 / 09
Der Ausschuß macht mit seinen Veranstaltungen Karriere: Die Zahl der Lehrgänge und Vorträge überschreitet die hundert.
1913 / 14
Die Zahl der Zuhörer bei den Freitagsvorlesungen erreicht eine neue Rekordhöhe: Es gibt Abende mit über 1.000 Besuchern.
1919
Der "Ausschuß für Volksvorlesungen“ wird in "Bund für Volksbildung“ umbenannt. Er residiert fortan im neuerworbenen Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor.
1921
Als eine Unterabteilung des Bundes wird die "Frankfurter Volksbühne“ gegründet. Die Volksbühne bietet jedem Mitglied monatlich eine Theater- bzw. Opernkarte an, organisiert Einführungsvorträge und verteilt Merkblätter zu den aufgeführten Stücken. Rasch steigt die Zahl ihrer Mitglieder von rund 2.800 in den ersten Monaten nach der Gründung bis auf etwa 8.500 im Jahr 1930.
1924
Mit der "Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung“ ergreift der Bund die Möglichkeiten der neuen Medien:Die Stunde wird fester Programmpunkt im neuen "Südwestdeutschen Rundfunk“, dem Frankfurter Sender, der am 1. April 1924 den Sendebetrieb aufnimmt.
1936
Der "Bund für Volksbildung“ wird von den Nazis aufgelöst und von der Organisation "Kraft durch Freude“ vereinnahmt. Schon seit 1933 hatten die Nazis die jüdischen Mitglieder kaltgestellt, die Stellen mit ihren Getreuen besetzt und die Veranstaltungen zu Parteischulungskursen degradiert. Sie veruntreuen die Finanzmittel teilweise für ihre schwarzen Kassen.
1945
Schon am 17. Oktober hält Oberbürgermeister Kurt Blaum den ersten Nachkriegsvortrag des Frankfurter Bundes für Volksbildung, der Titel: "Deutschland und die Deutschen“. Frau Else Epstein (1881 – 1948), die schon vor ihrem Mann Wilhelm im Bund tätig war, engagiert sich massiv für die Neuorganisation und kurz darauf läuft das Herbstprogramm an. Mit Carl Tesch (1902 – 1970) wird noch im Oktober zusätzlich zu Frau Epstein ein Geschäftsführer etabliert.
1951
Ab diesem Jahr erscheint die Theaterzeitschrift "Die Volksbühne“, die Organisation "Volksbühne“ hat schon ab 1947 wieder die Arbeit aufgenommen.1953
Auf Betreiben von Carl Tesch wird die "Landesbühne Rhein-Main“ gegründet. Mit 17 Einstudierungen geht die Landesbühne in Hessen auf Tournee, fast täglich gibt sie eine Vorstellung, und im Dezember 1956 bringt sie es innerhalb eines Monats sogar auf 53 Vorstellungen. In diesem Jahr wird "Minna“ angeschafft. Minna ist ein LKW für die Wanderbühne, den die Ensemblemitglieder liebevoll nach der Titelheldin ihrer ersten Aufführung benennen. Prominentes Mitglied der Bühne ist Liesel Christ.
1953
Im Bund für Volksbildung wird das "Seminar für Politik“ (SfP) durch Ulla Illing gegründet. Kuriose Ankündigungen und unorthodoxe Methoden der SfP-Veranstaltungen ziehen die Jugendlichen an. Hier herrscht nicht die stickige Atmosphäre, die man bei Volkshochschulkursen wähnt, niemand nimmt Anstoß, wenn sich ein Teilnehmer auf die Fensterbank oder den Fußboden setzt, und "Politik bei Kerzenlicht“ lockt selbst vormals gänzlich Unpolitische ins Volksbildungsheim. Das SfP macht sich bereits im Jahr 1960 selbständig.
1956
Im Bund für Volksbildung wird die "Volkshochschule“ (VHS) gegründet. Die Erwachsenenbildung bekommt immer größere Bedeutung, die Veranstaltungen werden auch dezentral in den städtischen Gemeinschaftshäusern angeboten. Leiter der VHS wird Walter Möller (1919 – 1971), der spätere Frankfurter Oberbürgermeister.
1960
Das Seminar für Poltik (SfP) wird wieder zu einer eigenständigen Einrichtung.
1963
Eröffnung des Theater am Turm (TAT) im Volksbildungsheim-Erweiterungsbau Eschersheimer Landstraße / Oederweg.
1970
Verabschiedung des Hessischen Volkshochschulgesetzes. Kooperationsvereinbarung des Frankfurter und des Höchster Bundes für Volksbildung.
1976
Die Volkshochschulen Frankfurt und Höchst sowie das Seminar für Politik werden kommunalisiert und in das Amt für Volksbildung eingegliedert. Träger von TAT, Volksbühne und den Kulturellen Aktivitäten wird die Frankfurter Bund für Volksbildung GmbH.
Der FBfV e.V. besteht weiter.
1985
Ausgliederung des TAT aus der FBfV GmbH.
1986
Auflösung des Seminars für Politik.
1990
Jubiläum 100 Jahre Volskbildung in Frankfurt am Main
2007
Dr. Erich S. Nitzling wird zum Vorsitzenden des Frankfurter Bundes für Volksbildung e.V. gewählt.
2010
Festakt in der Volkshochule zu 120 Jahre Volksbildung in Frankfurt.
Dr. Renate Wolter-Brandecker wird zur Vorsitzender des Frankfurter Bundes für Volksbildung e.V. gewählt.



